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Selbstsicherheit und der Wille zu Fusionen
Topic: Sehr selbstsichere Manager neigen eher zu M&A Strategien
Wie jedermann, der Wirtschaftsnachrichten liest, bezeugen kann, setzt sich die Fusions- und Akquisitionstätigkeit, die letztes Jahr wieder begonnen hat, in diesem Jahr fort und wird voraussichtlich auch in 2005 weiter ansteigen.
Fast alle Manager verweisen darauf, dass M&A Aktivitäten allein zum Nutzen und Frommen der Aktionäre durchgeführt werden. Man spricht von Synergien, Marktanteilen und Skaleneffekten. Allerdings zeigen eine Vielzahl von Untersuchungen, dass die Mehrzahl der M&A Deals Werte vernichtet. Das gilt insbesondere für den Shareholder Value der Aktionäre des aufkaufenden Unternehmens.
Dies hat skeptische Managementtheoretiker dazu geführt, das Management von M&A-hungrigen Unternehmen dahin gehend zu kritisieren, es sei nur an Größe und dem Bau von Imperien interessiert. Nach diesen Überlegungen erwerben Manager Unternehmen nicht zum Vorteil ihrer Aktionäre, sie tun es für sich selbst. Ein größeres Unternehmen bedeutet für Manager ein größeres Gehalt, mehr Macht und mehr Aufmerksamkeit von den Medien.
Die betriebswirtschaftliche Forschung zeigt, dass M&A aus Sicht der Aktionäre des Aufkäufers/Erwerbers überwiegend Werte zerstört. Die meisten Manager kennen diese Untersuchungen. Daraus ergibt sich jedoch nicht zwingend, dass Manager ihre persönlichen Interessen über die ihrer Aktionäre stellen. Stattdessen können sie einfach zu selbstsicher sein in der Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten und den Zukunftsaussichten ihres Unternehmens. Anders ausgedrückt: Manager glauben, dass ihr ganz spezifischer M&A Deal nicht dem statistischen Durchschnitt anheim fällt, sondern zu den wenigen erfolgreichen gehören wird. Diese Selbstsicherheit -man könnte es auch Selbstüberschätzung oder Hybris nennen- täuscht und verführt Manager zu Handlungen, die unter rationaler Betrachtung angesichts der negativen Erfolgswahrscheinlichkeit vermutlich nicht durchgeführt würden.
Sehr selbstsichere Manager überschätzen den Einfluss, den ihre Führungskompetenz und ihre Fähigkeit, profitable Zukunftsprojekte auszuwählen, auf den M&A Deal hat. Entsprechend überschätzen sie das Ausmaß an Synergien zwischen ihrem Unternehmen und dem Zielobjekt bzw. sie unterschätzen das Ausmaß an Problemen, die durch Fusionen und Akquisitionen entstehen können. Diese Fehleinschätzung führt Manager dazu, M&A Projekte voranzutreiben, trotz des Nachweises, dass Transaktionen in der Mehrzahl Werte zerstören.
Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten beeinflusst auch die Auswahl der gewählten Finanzierung. Sehr selbstsichere Manager sehen ihr Unternehmen durch den Markt als unterbewertet an, da externe Investoren im Hinblick auf die Zukunftsaussichten des Unternehmens weniger optimistisch sind. Diese vom Management perzipierte Unterbewertung führt dazu, dass häufig kein Eigenkapital für die Finanzierung des Erwerbs eingesetzt, sondern Fremdkapital aufgenommen wird. Aufgrund dieser häufig verfehlten Perzeption des eigenen Wertes erscheint diesen Managern Fremdkapital "billiger" als Eigenkapital.
Die Aufnahme von Darlehen zur Finanzierung einer Akquisition führt jedoch zu weiteren Risiken. Untersuchungen zeigen, dass die Finanzierungskosten dieser Schulden den Fortschritt in der Synergierealisierung zwischen den zu fusionierenden Unternehmen behindern, da dadurch wesentliche Aufmerksamkeit des Managements vom Tagesgeschäft abgelenkt wird. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, aber die These der Selbstüberschätzung ist eine wichtige Ergänzung in der Analyse von M&A Prozessen.
August 2004
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